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Kaum gibt die Bundeswehr in Afghanistan mal eine etwas moderne Variante des Hamlet, schon heult daheim wieder die Betroffenheitsorgel als gäbe es kein Morgen. Totenschädel haben die tatsächlich angefasst, die von Berufs wegen eigentlich sogar darauf trainiert worden sind, im Notfall Totenschädel überhaupt erst herzustellen. Isses denn zu glauben?! Die BLÖD-Zeitung schießt gleich einmal mit der dicken Moralinkanone auf die Spatzenhirne unserer Soldaten und haut mächtig auf den Putz, wie man bei der Bundeswehr ja die Berufskleidung nennt. Das Blatt erfüllt auch brav seinen Informationsauftrag und zeigt nicht nur alle Fotos, sondern entrüstet sich auch über die Truppe, auch wenn das Entrüsten über die rüstigen Aufrüster irgendwie paradox erscheinen mag.
So dass das Blatt seine moralischen Ansprüche nicht mehr nur in den üblichen Tittenmädchen (B-Rüsten) und Puffinseraten dokumentiert, sondern endlich auch im redaktionellen Teil, wo die Menschenwürde mindestens so hoch gehalten wird, wie die schimmligen Knochen bei Kabul. Das drängt sogar für eine Weile die detailgetreuen Berichte über die fachgerechte Kühlschranklagerung von Kinderleichen in den Hintergrund, mit denen BLÖD sonst gerne dazu beiträgt, die Menschen über die wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des Gemeinwesens auf dem Laufenden zu halten und sie zur verantwortlichen Wahlentscheidung beim nächsten Urnengang zu befähigen.
Wobei sich beim Thema Urnengang ja der Kreis zu den Leichen irgendwie wieder zu schließen scheint.
Manchmal frage ich mich, wer eigentlich die Maßstäbe festgelegt hat, aus denen sich ergibt, dass die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die drohende Klimakatastrophe höchstens audiovisuelle Fußnotentauglichkeit haben dürfen, während wieder einmal die komplette Hundertschaft der Betroffenheitsnutten unbegrenzte Sendezeit erhält, um das im Raum-Zeit-Kontinuum betrachtete ebenso belang- wie geschmacklose Ablichten von Gebeinen heuchlerisch auszuschlachten. Obwohl, Ausschlachten ist an dieser Stelle vielleicht ein etwas unpassendes Wort? Vielleicht sagen wir eher, die Soldaten haben ein wenig den Kopf verloren. Obwohl, kopflos waren ja nun eher die betroffenen Afghanen, das passt auch nicht.
Was soll´s, Nick Igel war in Kunduz mit dabei und hat die deutsche Fahne hoch gehalten, siehe oben. |
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