Willi Igel in Spanien
Barcelona
Barcelona heißt ja eigentlich Barzel-ona. Jedenfalls bei allen deutschen Sportreportern – die damit nicht wirklich zum Ausdruck bringen wollen, dass die Stadt nach dem ehemaligen CDU-Vorsitzenden Rainer Candidus Barzel benannt worden wäre. Unsere Wontorras und Mohrens sind, so sie denn nicht gerade einsitzen, vor dem Mikro einfach nur nicht in der Lage, einfachste Ausspracheübungen im Altkastilianischen zu absolvieren. Ist im Englischen, wo die berühmte Senta Court ja bei nahezu jedem Tennisspiel mitmischt, oder im Französischen kaum anders. Die Cedille unter dem C von François zum Beispiel werden die meisten kaum kennen. Und François deswegen aussprechen wie es Altkanzler Kohl bei „meinem Freund, dem französischen Präsidenten, Franzwa Midderant“ seinerzeit tat. Sportreporter halten die Cedille wahrscheinlich ohnehin nur für eine besonders raffinierte Sauerei im Puff von Barzel-ona, in den laut Volkslied ja immer alle fahren wollen. Gerade Sportreporter sind ja dafür bekannt, bei der soziokulturellen Hintergrundrecherche zu ihrer Berichterstattung gerne auch einmal im Rotlichtmilieu zu forschen, nicht wahr, Herr Töpperwien?
Aber ehe es mit der Sprache zu schlimm wird, fahre ich lieber gleich weiter nach Bilbao. Das kann sogar Jupp Heynckes aussprechen. So gut, dass er dort sogar trainieren durfte. Seitdem wird man als Deutscher allerdings kaum noch in die Stadt gelassen. Ich wollte ja nur schnell das neue Guggenheim-Museum besuchen. Das klingt erst einmal so, als wären sächsische Sportreporter dagewesen. Heißt aber tatsächlich so. Die Architekten könnten allerdings aus Sachsen stammen, denn das Ding ist komplett schief. Außerdem gibt es jede Menge Ungeziefer. Direkt vor dem Museum läuft eine riesige Spinne herum.
Aber nicht nur die Spinnen streunen in Spanien, auch die Spermien tun das. Im Hotelpool! Behauptete jedenfalls eine Polin. Ihre dreizehnjährige Tochter war schwanger aus dem Spanienurlaub zurückgekommen. Und da die Tochter, das stand für die aufgebrachte Mutter fest, natürlich niemals vorehelichen Verkehr hätte haben können oder gar wollen, muss die Schwangerschaft durch im Hotelpool herumstreunende Spermien verursacht worden sein. Die Klage gegen den Reiseveranstalter wurde allerdings abgewiesen. Ebenso wie die Klage eines britischen Rentners, der seine Reisegepäckversicherung in Anspruch nehmen wollte, nachdem ihm bei einer Kreuzfahrt vor den Balearen das Gebiss aus dem Mund und über die Reling gefallen war.
Sagrada Familia -  Willi Igel als Gaudi-Bursch in Barzel-ona
Gugg an, Willi Igel in Bilbao
Ich dachte, ich besuche mal ein paar Rentner in Alicante im Altenheim, dann kann ich den kompletten Urlaub als private Dienstreise oder dienstliche Privatreise (Details bitte im Bundesgesundheitsministerium erfragen) von meiner Redaktion bezahlen lassen. Oder wenigstens steuerlich absetzen. Was bei den Regelsätzen pro Entfernungskilometer schon ganz ordentliches Geld zusammenbringt. So dass man sich dann auch ein anständiges Abendessen leisten kann. Zum Beispiel bei Ferran Adria, dem berühmten Molekularkoch in dessen Nobelrestaurant „El Bulli“
Allerdings musste ich vor Ort dann doch feststellen, dass es die Spanier an der Mittelmeerküste inzwischen mit der Molekular- und Experimentalküche etwas zu weit treiben. Die haben da zum Glück überall deutsche Speisekarten, so dass ich mein Altkastilisch nicht überstrapazieren musste. Manches erschließt sich aber selbst auf Deutsch nicht. Was bitte ist „Spurtet von den Pasteten“? Oder „Spurtet von den Käsen?“ Und ist bei den spurtenden Käsen auch der „abgetrocknete Ziegenkäse“ dabei?
Na gut, irgendwann bin ich dann drauf gekommen. Spurtet ist offenbar ein „Sortiment“. Schwieriger war dann schon die nächste Nuss, die man mir zu knacken gab: „Spurted von den Einlegearbeiten!“
Ein Sortiment von Einlegearbeiten? Intarsien? Das könnte hart werden. Es hat ja nicht jeder ein Gebiss wie der „Beißer“ aus Moonraker. Und wie schmecken Einlegearbeiten überhaupt? Welche Sauce gibt es dazu? Welche Beilagen? Oder handelt es sich vielleicht um Eingelegtes? Schwierig, schwierig.

Und das waren bisher nur die Vorspeisen und Imbisse. Noch schlimmere Zumutungen hält die Liste der Hauptgerichte bereit. Da gibt es „Grünen Spargel zur Phasenkohle“. Phasenkohle habe ich gleich einmal gegoogelt. Und festgestellt, dass das ein nahezu ausschließlich in Spanien verwendetes deutsches Wort zu sein scheint. Unter diesem faszinierenden
Link findet man unter Anderem auch das folgende Rezept:

Sardinen zu den Phasenkohle
Bestandteilen
* 10 oder 12 große Sardinen
* Petersilie
* Zwei Zähne Knoblauch
* Olivenöl
* Weiße Wein, zwei oder drei soperas Spoonfuls
* Saft eines Viertels der Zitrone
* Salz-

Vorbereitung:
Für diese Verordnung bildet ein Grill Mangel an Brennholz (vorzugsweise) oder ein elektrisches. Zu den Sardinen entfernt man neidet ihnen und die Eingeweide, aber nicht es Kopf. Salz liegt unten zu ihnen zum Geschmack durch beide Seiten, die sie sauber in einer Platte lassen. Die Petersilie, der geschnittene Knoblauch zu den trocitos, die drei liegen Sie Auswahl des Salzes und zwei soperas Spoonfuls öl unten in einem Mörser und er wird zerquetscht, bis Knoblauch einmal wir haben ihn verschwinden, oder zerquetscht wir zu ihm in einem Wasserglas, dem wir öl ihm bis Hälfte des Glases hinzufügen, bald auch wir hinzufügen den 2 oder 3 Spoonfuls weißem Wein und Saft eines Viertels der Zitrone werfen. Zu den Sardinen, die wir in der Platte gehalten haben, die, wir sie mit der Mischung besprühen, die wir beendeten, zu tun, ohne sie zu werfen alles. Wir legten die Sardinen in den heißen Grill. Wenn die Sardinen wenig wir geben der Rückkehr sie getan werden und wir warfen zu ihnen wieder Mischungen folglich, damit, wann immer wir ihnen die Rückkehr geben, wir zu ihm der Mischung werfen, bis sind doraditas und vorbereiten, um zu essen.


Deswegen weiß man aber noch lange nicht, was „Phasenkohle“ ist. Hier wäre ich der geneigten Leserschaft für Erleuchtung dankbar. Falls mir einer gleich auch noch den Unterschied zwischen Spargel und Espargel (Elektrospargel statt altmodischer kohlebetriebener Spargel?) erläutern könnte, würde mich das sehr freuen!
Fluchtartig verließ ich das gastliche Haus. Nur um nebenan vor weitere Rätsel gestellt zu werden:
Der Arbeitsauftrag: „Schenkel der Ente brat mit Beilage“ wäre ja noch umzusetzen gewesen. Auch wenn das im „brat“ zum Ausdruck kommende vertrauliche Du unangebracht erscheint und man angesichts unterschiedlicher Garzeiten küchentechnisch hinterfragen könnte, ob die Beilage wirklich mit dem Entenschenkel gebraten werden muss. Aber „Zurück vom Lamm braten Sie mit Beilage“? Nun plötzlich wieder das förmliche Sie? Und was heißt „Zurück vom Lamm“? Wer oder was kommt da zurück?
Willi Igel bei El Bulli
Jetzt aber schnell!
Spurtet von den Pasteten!
Einlegearbeiten?
Phasenkohle? Phrasenkohle?
Zurück vom Lamm
Erst kann man sich mit Dali brüsten ...
und dann bei Gaudi hausieren gehen.
Was für ein Spaß!
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